Die Arbeiten von Katja Tönnissen sind ironische Dokumente des Übergangs.
In ihrer Form und Farbigkeit scheinen sie keine finale Gestalt annehmen zu wollen und verharren trotzig auf der Schwelle. Unterstützt wird dieses Unstete, Weiterstrebende durch Tönnissens Arbeit in Serien – alles ist weiter deklinierbar.

In ihrer Serie Hangover wölben sich fleischige Tonlappen erschöpft von der Wand. Glasiert in gold und silber, agiert die Form und ihre Bearbeitung diametral zu ihrer Farbvorstellung. Was royal in Erscheinung tritt, ist sichtlich eingekerbt, ausgefurcht und zerdrückt worden. Es scheint, diesen Objekten etwas widerfahren zu sein, an das sie keine Erinnerung mehr haben. Ironisch appeliert auch der Titel „Hangover“ nicht nur an die Gestalt, das Herüberhängen, sondern auch an das Gefühl nach einer durchzechten Partynacht.

Von der Porträtmalerei ausgehend subtrahiert Katja Tönnissen persönliche Merkmale und lässt schlussendlich nur noch die Konturen individueller Charakteristika in Erscheinung treten. Aneinandergereiht gehangen verweisen diese, wie ihre Frisuren und Schnurrbartserien, nicht mehr auf Personen, sondern werden zu grotesk-witzigen Schablonen der Selbstgestaltung.

Dieses Verfahren der Reduktion wendet sie auch bei kitschigen Landschaftsszenarien an.
Was von einer idyllischen Landschaft des Niederrheins übrigbleibt, ist eine rote Sonne und ein stark abstrahierter Vogel, die weiterhin auf ihre atmosphärische Aura beharren.
Mit Sonnenuntergängen, dem Wechsel von Licht und Farbe binnen Minuten, befasst sich Tönnissen auch bei ihren Lampen. Bereits auf der Leinwand experimentierte sie mit dem Übergang von Pastelltönen und das Ineinanderlaufen von Farbe. In der Keramikglasur ist dieser Farbübergang, das Ineinderschleichen von Farbe, besonders gut möglich.

Katharina Klang,

Mai, 2014